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Rokytnice nad Jizerou zählt zu den Orten im Riesengebirge, die schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts besiedelt worden waren. Die Gründung der Gemeinde geht auf das Jahr 1574 zurück. Sie wurde nach dem „Huťský"-Bach benannt, der ursprünglich „Rokytnice" hieß (der Ortsname war vom Eigenschaftswort „rokytná" abgeleitet worden– das heißt „Wasser, das zwischen Weiden [alttsch. rokyta] fließt"). Belegt ist auch ein alter evangelischer Name dieser Gemeinde - „Kalich" [Kelch], der auf die Zeiten zurückzuführen ist, als dieser Ort vielen Angehörigen der protestantischen Kirche Zuflucht geboten hatte.

Die ersten Einwohner förderten im Tal des Huťský-Baches Kupfer, Blei und Silber, und gewannen Holz. Albrecht von Wallenstein ließ hier im Jahre 1625 die Erzlagerstätten untersuchen und im Zuge dessen wurden viele Belege der früher erfolgten Bergbauarbeiten entdeckt. Zu diesen Prospektionsarbeiten hat man einen Fachmann aus Jáchymov eingeladen. Daraufhin erließ Wallenstein eine Ordnung, in der er den Bergleuten die Behausungen und die Erwerbung von Grundbesitz unter günstigen Bedingungen versprach.

Das höchstgelegene Bergwerk in der Gegend war „Vysoký hrad" am Berg Kotel. Von hier aus musste Erz in die Gemeinde Rokytnice heruntergebracht werden. Im Jahre 1630 erhielt man für 61,6 kg Erz 12 Kreuzer. Nach Wallensteins Tod kam es leider zum Untergang der Bergwerke. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges versuchte man, die weitgehend heruntergekommenen und überfluteten Bergwerke wieder ins Leben zu rufen. Von der Einrichtung blieb nur weniges im Betrieb. Die Bergleute aus Rokytnice stellten einen Antrag auf eine staatliche Unterstützung der Silberförderung, jedoch vergeblich. Es liegen uns schriftliche Nachrichten aus dem Jahre 1814 über die durchgeführte Prospektion der Galmeilagerstätten und den gestellten Antrag auf die Genehmigung der Bleiförderung vor. In den Jahren 1853 – 1856 wurden in Horní Rokytnice sogar eine Erzaufbereitungsanlage und eine Sieberei errichtet. Jedoch das Projekt bedeutete einen gravierenden Verlust. Auch der erhoffte Erfolg der Wiederherstellung der Erzförderung im Jahre 1909 blieb aus.

Eine lange Tradition hat in Rokynice die Glasherstellung. Im westlichen Riesengebirge gab es genug Holz. Im Unterschied zum östlichen Bereich des Riesengebirges, der die Bergwerke in Kutná hora (Kuttenberg) mit Holz versorgen musste. Schon vor 1562 gründete der Besitzer der hiesigen Herrschaft Arnošt von Újezdec und Kunice in der Stadt Rokytnice eine Glashütte, in der die namhafte Glasfamilie Schürer arbeitete. Da die Tätigkeit der Glashütte ohne Holz undenkbar war, musste die Glashütte später wegen Holzmangel umziehen und neue Holzressourcen suchen. Die Glashütte in Rokytnice wurde von 1574 bis 1599 betrieben.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Rokytnice größtenteils protestantisch. In den statistischen Angaben aus dem Jahr 1651, die dem Hauptmann der Herrschaft Jilemnice Jiřík Hartmann z Hartenštejna eingereicht wurden, gab es hier keine Katholiken. Der Missionar Kašpar Dirig aus der Gesellschaft Jesu erklärte einige Jahre später, dass man mit diesem Zustand praktisch nichts tun könne. Trotzdem versuchte er, seine Mission weiter zu betreiben und die religiöse Lehre unter den protestantischen Einwohnern Rokytnices zu verbreiten. Und es gelang ihm, einige „Ketzer" zu bekehren. Im Jahre 1680 am Festtag des Hl. Johannes entfachte auf dem Berg Kotel [Kessel] ein großes Feuer als Symbol des Sieges der Kirche, die die Ketzerei ausgerottet hatte. Der Pater hatte jedoch in Rokytnice ein schweres Leben. Während seiner Mission wurde sein Haus dreimal überfallen.

Die im Zuge der Gegenreformation erfolgten Maßnahmen bereiteten das Feld für viele Geschichten vor. Es entstand auch eine ganze Reihe von religiösen Sekten, von denen die Adamiten am stärksten waren. In dieser Region kam es zu Aufständen der unzufriedenen Untertanen, wie beispielsweise im Jahre 1704 während des Baus der Bierbrauerei. Die ursprünglich hölzerne protestantische Kirche wurde 1598 in der Zeit der Gegenreformation durch ein gemauertes Gebäude ersetzt. In den Jahren 1752 – 1759 erbaute man an seiner Stelle eine einschiffige spätbarocke St. Michael-Kirche, der die Entwürfe eines unbekannten Wiener Architekten zugrunde lagen. Die Kirche wurde klassizistisch ausgestattet. Der Zinntaufbecken stammt aus dem Jahre 1793.

In die Zeit 1775 – 1776 fallen die Bauernaufstände an mehreren Orten in Böhmen. Im Unterschied zu anderen Regionen schloss sich die deutsche Bevölkerung in Rokytnice nicht den tschechischen Rebellen an, sondern sie vertraten die Interessen des Herrschaftsbeamten und halfen ihm, den Aufstand zu unterdrücken. Im Juni 1776 stürmten die Aufständischen, mit Gabeln, Gewehr und Säbeln bewaffnet, den Herrschaftshof und die Pfarre. Der Besitzer der Bleicherei und der Forstmeister mit ihren Angehörigen drängten den Angriff jedoch zurück. Für eine definitive Ordnung sorgten dann die Husaren. Die Führer des Aufstandes wurden gefangen genommen und eingekerkert. Im Kerker verstarben sie.

Im 18. Jahrhundert beschäftigte sich ein großer Teil der Rokytnicer Bewohner mit der Handweberei. Anfang des 19. Jahrhunderts rückte die Heimproduktion wegen der einsetzenden industriellen Herstellung in den Textilfabriken immer mehr in den Hintergrund, was im Endergebnis zu weiteren Unruhigkeiten führte. Am 1. Dezember 1839 wurde die Einrichtung der mechanischen Spinnerei J. Grossmanns zerstört. Im Jahre 1873 gründete man hier eine Weberschule.

Zur Weiterentwicklung der Industrie trug auch die Errichtung der Eisenbahn von der Ortschaft Martinice im Riesengebirge nach Rokytnice nad Jizerou bei, die am 7. 12. 1899 feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurde. Zu den Anfang des 20. Jahrhunderts realisierten Bauprojekten zählt das Jugendstilrathaus in der Stadtmitte mit einem 37 m hohen Turm aus dem Jahre 1903. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Turm renoviert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte man die Textilproduktion in Rokytnice fort. An Bedeutung gewann jedoch immer mehr der Tourismus und die Stadt wurde zu einem beliebten Sport- und Erholungszentrum.

Historische Rokytnice in der Fotogalerie